«Für 70 Franken kann ich nicht operieren»

Freitag, 25. August 2017
SOS Santé

Tarifstreit: Der Schwyzer Augenarzt Stefan Wyrsch will, dass sich die öffentliche Hand bei den Gesundheitskosten beteiligt. Die Verlagerung müsse auch zulasten des Steuer- und nicht nur des Prämienzahlers gehen.

Erschienen am 24. August 2017 im Bote der Urschweiz
Autor: Jürg auf der Mauer

 

Im Spital Schwyz wurde den Beleg-Augenärzten prophylaktisch gekündigt. Damit wird auf den Tarifeingriff von Bundesrat Alain Berset reagiert.

Stefan Wyrsch, Ihnen wurde als Belegarzt gekündigt. Was heisst das?
Ich habe in Schwyz viele Patienten, denen ich vor Ort eine Operation anbieten konnte. Für die Patienten bedeutet die neue Situation, dass sie auswärts operiert werden müssen und dass sie mit längeren Wartezeiten rechnen müssen. Mein Vertrag läuft noch bis Ende Januar, dann ist Schluss.

Sie können nicht mehr operieren?
Das wird sich weisen. Ich bin in Gesprächen auch mit privaten Augenärzten und Privatkliniken.

Im Spital Schwyz werden Alternativen gesucht. Wie könnten diese aussehen?
Das weiss ich nicht. Es geht nicht darum, dass wir uns eine goldene Nase verdienen. Aber so, wie der Bund die Tarife nun definiert, geht es nicht.

Konkret?
Meine ärztliche Leistung würde noch mit rund 70 Franken entschädigt. Für 70 Franken kann aber kein Arzt einen Grauen Star operieren. Der Eingriff dauert – inklusive Patient vorbereiten – eine halbe Stunde, ist hochkomplex und erfordert eine lange Ausbildung.

Spezialisten verdienen doch genug, sie gelten als Grossverdiener.
Ich sage nicht, dass wir wenig verdienen. Aber die Vorstellungen sind falsch. Es braucht lange, bis man so weit ist, und die Eingriffe sind sehr komplex. Ich kann zudem nicht für 70 Franken operieren und zuschauen, wie in meiner Praxis die Löhne, Infrastrukturkosten und Mieten weiterlaufen. So würde ich am Schluss drauflegen.

Was hat Sie mehr erschreckt? Die Kündigung oder der happige Tarifeingriff von Bundesrat Alain Berset und der Gesamtregierung?
Ganz klar der Tarifeingriff. Ich habe mich nach Bekanntwerden schnell gefragt, wie das Spital reagieren würde. Die Kündigung hat mich deshalb eigentlich nicht mehr überrascht.

Was soll denn die Politik tun? Sie reagiert auf den Druck der Bevölkerung durch die hohen Krankenkassenprämien und die steigenden Kosten.
Das Kostenwachstum hat verschiedene Faktoren, sicher die demografische Entwicklung: Immer mehr Leute brauchen medizinische Leistungen. Schliesslich wird auch immer mehr vom stationären zum ambulanten Bereich abgewälzt.

Mit Folgen?
Im stationären Bereich trägt auch die Öffentlichkeit die Kosten, während im ambulanten Bereich alles zulasten der Krankenkassen geht. Durch diese Verlagerung, um Kosten zu sparen, sind die Prämienbelastungen massiv gestiegen. Das merkt dann jede einzelne Familie und jeder Versicherte.

Das heisst?
Hier muss etwas passieren. Die öffentliche Hand muss sich stärker beteiligen im ambulanten Bereich. Die Verlagerung der Leistungen muss auch zulasten des Steuerzahlers gehen und nicht nur des Prämienzahlers. (adm)

«Für 70 Franken kann ich nicht operieren»

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