Offener Brief der FMCH an Bundespräsident Alain Berset

Dienstag, 13. März 2018
SOS-SANTÉ

Es ist nicht möglich, eine Million aus TARMED-Leistungen zu verdienen. Falls es dennoch zutreffen sollte, sei das reiner "Bschiss", so FMCH Präsident Brandenberg.

Offener Brief der FMCH
Autor: Dr. med. Josef E. Brandenberg

Sehr geehrter Herr Bundespräsident

Am 29.01.2018 haben Sie sich öffentlich über Ärzte empört die aus der Sozialversicherung ein Einkommen von über einer Million Franken beziehen. Am 07.02.2018 hat Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit BAG in der Fernsehsendung „Infrarouge“ von TSR nachgelegt und die Aussagen seines Chefs bekräftig.

Gemäss Krankenversicherungsgesetz KVG müssen die Leistungen nach Tarmed abgerechnet werden. Sie haben die neuste Tarmed-Version verordnet und die früheren genehmigt. Darin ist jeder Arztleistung ein durchschnittlicher Zeitaufwand in Minuten zugeordnet. Grundlage dafür ist eine jährliche Arbeitszeit von 1920 Stunden. In dieser Zeit soll eine Ärztin/ ein Arzt durchschnittlich 230 000 CHF verdienen können. Dies ergibt einen Stundenlohn von 120 CHF.

Um eine Million aus den Tarmed-Leistungen zu verdienen, müsste ein Arzt bei einem Stundenlohn von 120 CHF pro Jahr 8333 Stunden arbeiten. Das wären 23.4 Stunden pro Tag, ohne Ferien, Sonn- und Feiertage, ohne Freizeit, auch ohne Schlaf. Auch einem vielbeschäftigten und wenig schlafenden Bundesrat dürfte klar sein, dass dies unmöglich ist.

Falls es zutrifft, dass 140 Ärzte – wie von BAG-Direktor Strupler behauptet - ein Millionen-Einkommen aus der Grundversicherung generieren, handelte es sich um reinen „Bschiss“. 140 schwarze Schafe sind 0.3 % der 36’175 in der Schweiz berufstätigen Ärztinnen und Ärzte (Ärzte-Statistik 2016 der FMH).

Gemäss BAG-Direktor Strupler handelt es sich um Spezialärzte von Mitgliedgesellschaften der FMCH. Bei meiner Amtsübernahme als Präsident der FMCH habe ich öffentlich gesagt, ich sei nicht „Präsident der schwarzen Schafe“ (Schweizerische Ärztezeitung vom 11. Januar 2017). Ich schlage Ihnen, Herr Bundespräsident, folgende Arbeitsteilung vor: Sie nennen mir die 140 schwarzen Schafe mit Namen, damit ich gegen diese vorgehen kann. Sie widmen sich den wirklich drängenden Fragen der Gesundheitspolitik und verzichten auf die Verunglimpfung der übrigen 36’035 Ärztinnen und Ärzte.

Besten Dank und freundliche Grüsse

Dr. med. Josef E. Brandenberg
Präsident der FMCH

Offener Brief der FMCH an Alain Berset

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