TARMED-Eingriff trotz Korrekturen weiterhin problematisch

Alain Berset
16 Aug 17
Eleonora Guido

Trotz Korrekturen am Entwurf lehnt SOS SANTÉ den heute vorgestellten revidierten Tarmed-Eingriff ab. Zwar blieben 650 vornehmlich kritische Vernehmlassungsantworten nicht ohne Wirkung, doch der Eingriff schwächt die ambulante Medizin in diversen Punkten fundamental. SOS SANTÉ wird weiterhin dafür kämpfen, dass BAG und Bundesrat bis zur formellen Verabschiedung der Verordnung im Herbst den Eingriff zurücknehmen oder weitere Anpassungen vornehmen.

Die Allianz SOS SANTÉ für Versorgungssicherheit in der ambulanten Medizin begrüsst, dass der Bundesrat den Kritikpunkten aus der Vernehmlassung in seinem heutigen Entscheid zu einem gewissen Grade Rechnung getragen hat. Hierzu gehört, dass der Mehraufwand für Konsultationen sowie für Leistungen in Abwesenheit des Patienten für Kinder und ältere Personen berücksichtigt wurde. 

Es ist aber auffällig, dass der Bundesrat beim heutigen Entscheid nur Kantone und Versicherer hinter sich weiss. Mit Patientinnen und Patienten sowie Ärzten können genau die Gruppen nicht hinter dem Eingriff stehen, die am stärksten betroffen sind. Es wurde heute offensichtlich an wichtigen Stakeholdern vorbei entschieden.

Die bundesrätliche Einschränkung des medizinischen Notfalles für die Notffallpermanencen, die eine immer wichtigere Rolle in der Notfallversorgung spielen, ist nicht praxistauglich. Die Permanencen sollen tagsüber nur mehr solche Patienten notfallmässig behandeln dürfen, bei denen eine Lebensgefahr oder eine Organschädigung droht. Wer weiss das schon im Vorhinein? Dieser Bürokratismus schafft Verunsicherung für Patienten, Ärzte und Versicherer und es droht schon jetzt ein Abrechnungschaos. Und ausserdem ist nicht einzusehen, warum der Bundesrat den Notfall tagsüber anders definiert als in der Nacht. Akute Schmerzen der Patienten richten sich nicht nach der Tageszeit, Herr Bundesrat!

Willkür der Versicherer ausgeliefert

Die Möglichkeit, bei komplexen Fällen wie Krebsbehandlungen die verrechenbaren Leistungen in Abwesenheit des Patienten mit der Versicherung individuell zu verhandeln, mag auf den ersten Blick als Entgegenkommen verstanden werden, setzt die betroffenen Patienten und behandelnden Ärzte jedoch der Willkür der Versicherer aus, und erzeugt zusätzliche administrative Aufwände.

Unbestritten bleibt, dass die ambulante Medizin billiger als stationäre Behandlungen und Abklärungen ist. Warum gerade dieser Bereich nun angegriffen wird, ist nicht nachvollziehbar und wird den Ärztemangel in Zukunft noch deutlich verschärfen. Das politische Signal ist unmissverständlich und angehende Ärzte werden sich gut überlegen, ob sie sich mit diesen Aussichten für eine Laufbahn in der ambulanten Versorgung entscheiden. 

Die revidierte Verordnung liegt im Moment noch nicht für eine genaue Überprüfung vor. SOS SANTÉ wird, sobald diese vorliegt, innerhalb einer Woche detailliert dazu Stellung nehmen.

"Sparübung" mit hohem Preis

Die Folge des heute kommunizierten Entscheides werden viele konkrete Fragen sein, ob oder wie notleidenden Menschen künftig  geholfen werden kann. Ob vormals ambulant durchgeführte Eingriffe nun teurer stationär durchgeführt werden müssen oder ob gewisse Patienten nun auf sich selbst gestellt sind. Spätestens dann wird das BAG merken, dass seine Sparübung auch in der leicht abgemilderten Form einen hohen Preis hat: menschliches Leid und höhere Kosten.

Die laufende Petition gegen den Tarmed-Eingriff erhält mit dem Bundesratsentscheid neuen Zündstoff. Über 7000 Menschen haben sie bis heute unterzeichnet.

Der Verein SOS SANTÉ setzt sich ein für eine umfassende und finanziell tragbare Gesundheitsversorgung und für eine faire Entschädigung ambulanter medizinischer Leistungen. Mit 30 Ärzte- und Fachgesellschaften vertritt SOS SANTÉ einen signifikanten Teil der Schweizer Ärzteschaft.

Für weitere Informationen: 
Dr. Michael Andor, Sprecher von SOS SANTÉ 079 373 82 44
Geschäftsstelle SOS SANTÉ 044 515 02 49, info@sos-sante.net

TARMED: Trotz Korrekturen problematisch

Petition unterzeichnen

Abgelehnt!

Am Mittwoch, 21. Juni ist die Vernehmlassungsfrist zu Alain Bersets 700 Millionen TARMED-Eingriff abgelaufen. Der Eingriff gefährdet die ambulante Medizin massiv und ist abzulehnen. Jetzt Petition für den Rückzug des verheerenden TARMED-Eingriffes unterzeichnen.

8437 Menschen haben den offenen Brief "NEIN ZU MEHR BÜROKRATIE STATT BEHANDLUNGEN" unterzeichnet.
Unser Ziel: 8500 Unterschriften.

170620 Abzulehnen

 

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