Gesundheitspolitik für Dummies

9 Nov 17
Reda El Arbi

Heute: EFAS – Einheitliche Finanzierung für ambulante und stationäre medizinische Versorgungsleistungen: Sollen Prämienzahler die Kosten für den Kanton übernehmen?

Ich bin kein Fachmann fürs Gesundheitswesen. Um SOS SANTÉ bei der Kommunikation zu unterstützen, musste ich mir viele Inhalte aneignen, die für Dummies wie mich nur in langen, langweiligen Dokumenten ersichtlich sind. Deshalb hab ich mich entschieden, gewisse Begriffe und Zusammenhänge mal für Nichtfachleute einfach auszuformulieren.

Heute geht’s um EFAS – Einheitliche Finanzierung von ambulant und stationär.

Als ambulanter Patient gehe ich zu einem Arzt oder in eine Klinik und lasse mich behandeln, ohne dass ich ein Bett oder ein Zimmer benutze. Ich lasse einen Eingriff machen und kehre nach ein paar Stunden wieder nach Hause zurück.

Eine stationäre Behandlung oder ein stationärer Eingriff bedeutet, dass ich ein Spitalbett belege und damit mehr Kosten verursache.

Viele Eingriffe werden zur Zeit je nach Arzt oder Spital sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt. Das führt zu unterschiedlichen Kosten für die gleiche Arbeit.

Stationäre Eingriffe sind im Durchschnitt 2.3 Mal teurer als ambulante. Die Kosten dafür werden aber nicht nur von den Krankenkassen übernommen. 55 Prozent der Kosten werden durch den jeweiligen Kanton getragen. Bei ambulanten Behandlungen bezahlt hingegen die Krankenkasse alles.

Und was hat das mit EFAS zu tun?

EFAS will nun, dass die Kosten für ambulant und stationär einheitlich abgerechnet werden. Das heisst nicht, dass der Kanton nun 55 Prozent der ambulanten Kosten übernehmen soll. Und es bedeutet auch nicht, dass die Krankenkassen alle stationären Kosten bezahlen müssen.

EFAS will einen Schlüssel, nachdem die beiden Versorgungsbereiche neu gleichwertig zwischen Kanton und Krankenkassen aufgeteilt werden.

Warum ist das wichtig?

Eine der Massnahmen, die Gesundheitsminister Berset für die Begrenzung der Kostenexplosion im Gesundheitswesen vorgesehen hat, ist die Praxis „ambulant vor stationär“. Damit sollen möglichst alle Eingriffe, die ambulant möglich sind, auch ambulant durchgeführt werden. Das spart insgesamt Kosten ein. Es bedeutet aber, dass auf die Krankenkassen höhere Kosten zukommen, während der Kanton sparen würde. Der Prämienzahler wird also eher mehr als weniger bezahlen müssen. Das kann nicht im Sinne der Bevölkerung sein.

Nun mag man einwenden, es komme ja nicht drauf an, ob man als Steuerzahler oder als Prämienzahler für die Kosten aufkommen muss.

Finanzierung gerechter ausgestalten

Doch es hat einen wichtigen Unterschied: Prämien werden pro Kopf abgerechnet und unabhängig vom Einkommen erhöht. Der steuerliche Anteil an den Gesundheitskosten fällt aber proportional zum Einkommen aus. Wer weniger verdient, bezahlt auch weniger.

In meinen Augen ist die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen gerechter.

Gesundheitspolitik für Dummies EFAS

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