Ärzteschaft wünscht sich neue Finanzierungsmodelle im Gesundheitswesen

8 Jan 18
FMH

Im Auftrag der FMH Verbindung der Schweizer Ärzte führt das Forschungsinstitut gfs.bern seit 2011 jährlich repräsentative Befragungen bei der Ärzteschaft durch. Die aktuelle Begleitstudie der FMH gibt Aufschluss über das veränderte Arbeitsumfeld und die Einstellung zu neuen Finanzierungmsodellen der Schweizer Ärzteschaft. 

Medienmitteilung der FMH vom 8. Januar 2018

Ärztinnen und Ärzte befürworten eine einheitliche Finanzierung im ambulanten und stationären Sektor. Dadurch könnten Fehlanreize reduziert werden. Dies zeigt die aktuelle Begleitstudie der FMH. Zudem zeichnen sich die Auswirkungen des Leistungs- und Zeitdrucks im Gesundheitswesen ab: Bei der Ärzteschaft ist eine leichte Abnahme der Zufriedenheit seit 2011 zu beobachten. Ärztinnen und Ärzte verbringen heute nur noch rund einen Drittel des Tages mit medizinischen, patientennahen Tätigkeiten. Der Anteil der Administrativarbeiten ist ansteigend: Spitalärzte verbringen pro Tag durchschnittlich 26 Minuten mehr mit Dokumentieren als im Jahr 2011.

Seit sechs Jahren rechnen Spitäler in der Akutsomatik mit dem Fallpauschalensystem SwissDRG ab. Die Leistungen der stationären Erwachsenenpsychiatrie werden seit dem 1.1.2018 mit TARPSY vergütet. Für die stationäre Rehabilitation ist die Einführung des Tarifsystems ST Reha im Jahr 2020 geplant. Um allfällige Fehlentwicklungen frühzeitig feststellen zu können, führt das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der FMH seit 2011 jährliche repräsentative Befragungen bei der Spitalärzteschaft und im praxisambulanten Bereich der Akutsomatik durch. Seit 2013 werden auch Ärzte und Ärztinnen der Rehabilitation und Psychiatrie befragt.

Ärzteschaft befürwortet einheitliche Finanzierung

Heute werden die Kosten der stationären Behandlungen in den Spitälern durch die Kantone und die Krankenkassen gemeinsam getragen. Die Kosten der ambulanten Behandlungen werden hingegen ausschliesslich durch die Krankenkassenprämien finanziert. Dies führt zu finanziellen Fehlanreizen, weshalb über neue Finanzierungsmodelle wie die einheitliche Finanzierung von stationären und ambulanten Leistungen diskutiert wird.

Die Ärzteschaft ist mit der heutigen Lösung nicht zufrieden. Die Ergebnisse der aktuellen FMH-Begleitstudie zeigen, dass sich die befragten Ärztinnen und Ärzte eine Beteiligung des Kantons sowohl im stationären wie auch im ambulanten Sektor wünschten. Unter allen abgefragten Finanzierungsvorschlägen geniesst die einheitliche Finanzierung die grösste Zustimmung.

Ärzte haben immer weniger Zeit für Patienten

Zunehmend belastet werden Ärztinnen und Ärzte durch die stetig steigende Dokumentationsarbeit und die Arbeit rund um das Patientendossier. Die Resultate der Begleitstudie zeigen, dass Spitalärztinnen und -ärzte in der Akutsomatik durchschnittlich 19 Prozent ihrer Arbeitszeit bzw. 112 Minuten pro Tag mit Dokumentationsarbeiten und dem Verfassen von Patientendossiers verbringen, 26 Minuten mehr als im Jahr 2011. In der Psychiatrie wie auch in der Rehabilitation sind mit 15 Prozent und 18 Prozent sehr ähnliche Entwicklungen zu beobachten.

Nur rund ein Drittel des Tages verbringen Ärztinnen und Ärzte der Akutsomatik und in der Psychiatrie mit medizinischen, patientennahen Tätigkeiten. In der Rehabilitation ist es im Schnitt sogar nur noch rund ein Fünftel. Am meisten von der Administrativarbeit betroffen sind Assistenzärztinnen und -ärzte. Der Anstieg an Dokumentationsarbeit fällt jedoch über alle Positionen ähnlich aus und betrifft nebst der Assistenzärzteschaft auch die Chefärztinnen und -ärzte.

Arbeitszufriedenheit weiterhin hoch – Tendenz aber abnehmend

Die Studie zeigt, dass trotz hohem Zeit- und Leistungsdruck die grosse Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte mit ihren Arbeiten und Aufgaben insgesamt sehr zufrieden ist. Ärzte in der ambulanten Praxis verzeichnen mit 87 Prozent gegenüber rund 80 Prozent der akutsomatisch und psychiatrisch engagierten Spitalärzte und 75 Prozent in der Rehabilitation tätigen Ärzte die höchste Arbeitszufriedenheit. Die Werte zeigen aber in allen genannten Bereichen seit 2011 eine leicht abnehmende Tendenz. Gerade in der Akutsomatik und der Rehabilitation wird vermehrt auch mit dem Gedanken über Tätigkeiten ausserhalb des Schweizerischen Gesundheitswesens gespielt.

Ärztinnen und Ärzte leisten nach wie vor viele Überstunden, trotz leicht sinkendem Trend mit durchschnittlich 7.4 Überstunden pro Woche – im 2011 waren es noch 1 Stunde mehr. Die Zahl der Überstunden ist im Vergleich zur restlichen Arbeitnehmerschaft − gemäss Bundesamt für Statistik ca. 1 Stunde bei Vollzeitarbeitnehmenden 2015 − immer noch deutlich höher.

Boni in der Psychiatrie und Rehabilitation zunehmend

Variable und leistungsabhängige Lohnkomponenten in medizinischen Führungspositionen sind bereits heute Usus. Rund ein Drittel der Spitalärztinnen und -ärzte werden mit variablen Lohnkomponenten wie zielbezogene Boni und privatärztliche Honorare vergütet. In der Akutsomatik beziehen rund 9 Prozent der Spitalärzte einen Bonus. Dieser ist in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. In der Psychiatrie und Rehabilitation sind Boni hingegen auf dem Vormarsch und betragen in der Psychiatrie 14 Prozent, in der Rehabilitation 15 Prozent.

Weitere Informationen:

 
Auskunft: Cornelia Steck, Leiterin Abteilung Kommunikation a.i.,
Tel. 031 / 359 11 53, E-Mail: cornelia.steck@fmh.ch

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