Tarifeingriff des Bundesrates - kompliziert statt einfacher

Michael Andor, Sprecher SOS SANTÉ
23 Jan 18
Michael Andor

Seit Anfang 2018 ist der TARMED gemäss Bundesrat in Kraft. Die bestehenden Probleme löst er jedoch nicht. Es braucht eine komplett neue Tarifstruktur, wie sie derzeit die FMH erarbeitet.

Autor: Dr. med. Michael Andor, Verein SOS SANTÉ

Am 1.1.2018 wurde der neue TARMED-Tarif durch den Bundesrat eingesetzt. SOS SANTÉ hatte sich von Beginn weg gegen dessen Einführung gewehrt, da wir nicht die Anpassung eines veralteten Tarifwerks benötigen, sondern ein komplett neues erarbeiten müssen. Eines, welches den Entwicklungen und dem Fortschritt der Medizin im letzten Jahrzehnt Rechnung trägt.

Mit der nun vorliegenden Tarif-Version des Bundesrates zeigt sich deutlich, dass es weniger um die korrekte Abbildung von Leistungen oder um eine Vereinfachung des Tarifsystems, sondern um möglichst viel Kontrolle ging. Es wurde ein System geschaffen, welches über noch mehr und noch kompliziertere Positionen verfügt. 
 
Im Vernehmlassungsverfahren musste der Bundesrat auf Druck der Ärzteschaft die zeitlichen Einschränkungen für die Grundkonsultation zumindest für Kinder, Personen über 75 Jahren und besonders komplexe Fälle anpassen. Das Resultat ist nun, dass je nach Alter oder Krankheitsspektrum ein anderer Tarifpunkt mit anderen Regeln gewählt werden muss: Für eine 74-jährige Patientin steht in der Grundkonsultation z.B. halb so viel Zeit zur Verfügung, wie für eine 76-jährige mit dem exakt gleichen Problem. 
 
Soweit so gut - bei den umstrittenen Leistungen in Abwesenheit von Patienten muss diese Unterscheidung ebenfalls erfasst werden und neu müssen diese Leistungen im Minutentakt erfasst werden. Es handelt sich also um ein reines Kontrollinstrument und eine zusätzliche administrative Hürde einer Leistung, die von den Patienten zunehmend in Anspruch genommen wird. 
 
Der Arzt kann sein Stethoskop also zunehmend gegen eine Stoppuhr eintauschen - für die Politik scheint Controlling wichtiger als eine korrekte Diagnose oder Therapie.
Ein Resultat könnte auch sein, dass in Zukunft eine Konsultation nötig wird, wo ein Telefon gereicht hätte.
 
Wir brauchen deshalb einen Tarif, der den medizinischen Entwicklungen und Patientenbedürfnissen Rechnung trägt. TARCO – das neue Tarifmodel der Ärzteschaft – würde auch den Anspruch einer Vereinfachung erfüllen. Ob die sogenannten Tarifpartner hier mitziehen ist offen und bleibt zu hoffen.

 

Tarifeingriff des Bundesrates - kompliziert statt einfacher

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