Die Ärzte werden auch im TARMED im Stundenlohn entlohnt

20 Feb 18
Christian Bernath

In der letzten Wintersession reichte Nationalrat Thomas de Courten, Präsident der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit SGK,  ein Postulat zur Abschaffung des TARMED ein. Dieser solle durch einen simpleren und deshalb transparenteren Stundentarif ersetzt werden. Dr. med. Christian Bernath erklärt, warum der Vorschlag nicht ausgereift ist und zeigt auf, warum TARCO die bessere Lösung bringt.

Bevor der TARMED 2004 eingeführt wurde, gab es in jedem Kanton ein eigenes Tarifsystem. Dabei variierte die Vergütung der einzelnen Leistungen je nach Tarifraum stark und hing von den Verhandlungen zwischen dem Kanton, der kantonalen Ärztegesellschaft und den verschiedenen Versicherern ab. Ausschlaggebend für die Festlegung der Tarife war damals ausschliesslich die Teuerung.

Mit dem TARMED wurde erstmals ein schweizweit gültiges Tarifsystem eingeführt, das sich zudem auf betriebswirtschaftliche Daten stützt. Leider forderte der Bundesrat, dass der neue Tarif in den einzelnen Kantonen kostenneutral eingeführt werden muss, was eine Angleichung der Vergütungen entsprechend verhinderte.

Weiter unterscheidet der TARMED zwischen Technischen Leistungen (TL) und Ärztlichen Leistungen (AL). In den TL sind die Praxisunkosten, Praxismieten, technische Ausrüstung, Angestelltenlöhne, Versicherungen, Unterhalt etc. enthalten. Diese Unkosten variieren je nach praktizierter Fachrichtung sehr stark. So haben Psychiater z.B. relativ niedrige technische Kosten zu stemmen. Radiologen oder Chirurgen, die hingegen mit zahlreichen teuren Geräten arbeiten, können eine grössere Anzahl an TL abrechnen. 

Die ärztlichen Leistungen wurden aufgrund eines einheitlichen Stundenlohns von 107 Franken berechnet. Dieser orientiert sich an dem Referenzeinkommen von Fr. 207‘000, von dem oft die Rede ist. Das Referenzeinkommen ist eine rein rechnerische Grösse. Dieses durchschnittliche Einkommen könnte ein Arzt mit TARMED-Leistungen erzielen, wenn er oder sie mit einem 100% Arbeitspensum durchschnittlich 9,2 Stunden pro Arbeitstag arbeitet und einem Taxpunktwert von 1 Franken verrechnen dürfte. Der genaue Betrag für eine geleistete Arztstunde berücksichtigt jedoch auch die Produktivität und die Weiterbildungsjahre (Dignitätsfaktor). Mit dem Dignitätsfaktor sollte der Verdienst über die ganze Lebensarbeitszeit für alle Ärzte etwa gleich werden, indem die Assistenzjahre kompensiert werden. 

Die FMH arbeitet zurzeit auf Hochtouren an der Tarifrevision TARCO, die auch die Berufserfahrung gewichtet. 

So betrachtet werden wir Ärzte also heute schon im Stundenlohn vergütet, der aber etwas differenzierter gerechnet ist. Ein einfacher Stundentarif für alle würde entgegen der Absicht zu grossen und ungerechtfertigten Einkommensunterschieden führen.

Die Ärzte werden auch im TARMED im Stundenlohn entlohnt

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