Tarifeingriff des Bundesrates - effiziente Behandlungen müssen abgebrochen werden

Michael Andor, Sprecher SOS SANTÉ
4 Mai 18
Michael Andor

Das erste Quartal nach Einführung des bundesrätlichen Tarifeingriffs vom 1.1.18 ist vorbei und die Konsequenzen davon treten immer mehr zutage. Dass effiziente und für den Patienten gut verträgliche Therapieformen wegen Bundesrat Bersets Eingriff abgebrochen werden müssen, kann wohl kaum Sinn und Zweck der Übung gewesen sein.

Autor: Dr. med. Michael Andor, Präsident SOS SANTÉ

Seit über 10 Jahren werden in der Rheumatologie Patienten, die an chronischer Polyarthritis (einer chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankung) leiden, erfolgreich mit Infusionsbehandlungen therapiert. Mit diesen Biologikabehandlungen können Gelenkentzündungen und Invalidität weitgehend verhindert werden. Besonders angenehm und sehr gut verträglich sind die sogenannten MabThera-Infusionen, welche nur alle 6-12 Monate oder noch seltener durchgeführt werden müssen.

Mit dem bundesrätlichen Tarifeingriff vom 1.1.18 werden diese Infusionsbehandlungen nun beinahe verunmöglicht, da die notwendige Überwachung der Patienten durch eine Fachkraft nur noch für 60 Minuten vergütet wird, die Infusion dauert aber 4-5 Stunden! Somit sind diese Infusionen nicht mehr kostendeckend durchführbar.

Dies führt dazu, dass sich Patienten nun auf neue Behandlungen umstellen müssen oder diese wertvolle Therapieoption für neue Patienten von vornherein nicht mehr zur Verfügung steht. Mit der aufgezwungenen Therapieumstellung werden unerwünschte Nebenwirkungen und ein Verlust der Krankheitskontrolle in Kauf genommen. 

Das Groteske an diesem planwirtschaftlichen Entscheid ist aber, dass die meisten Therapien, die anstelle der bisherigen MabThera-Infusion alternativ in Frage kommen könnten, zu höheren Jahreskosten führen! Diese Situation entbehrt jeglicher Logik und illustriert einmal mehr, was geschieht, wenn Technokraten vom Schreibtisch aus Entscheide fällen.

Auch die Krankenkassen sind nicht bereit Hand zu bieten und lehnen entsprechende Kostengutsprachegesuche praktisch ausnahmslos ab - sie scheinen sich weder für die Kosten, noch für das Wohl der Patienten zu interessieren. 

Für die Zukunft heisst das: Wenn wir jetzt nicht aufstehen und uns wehren, wird der Leistungsabbau stetig vorangetrieben. Die Lüge der Politik, gleiche Leistung für weniger Geld zu erhalten, wird dann wohl noch an vielen anderen Stellen und am Schluss für jede und jeden spürbar werden. 

Dr. med. Michael Andor ist Facharzt für Rheumatologie FMH

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